Grosse Talente, grosse Ideen

Gönner-Porträt von Guido Doppler: Architektur im Blut

Ein Mann mit blauem Pulli sitzt im Garten.

17.03.2020 – Als Erstes geht Guido Doppler morgens in den Stall, um auszumisten und die Pferde zu füttern. Sein Alter merkt man dem 86-Jährigen nicht an – er praktiziert täglich an der frischen Luft Yoga. Gemeinsam mit seiner Frau lebt der ehemalige Architekt auf einem Bauernhof bei Hütten (ZH). Das ursprüngliche Bauernhaus hat Doppler durch einen Neubau ersetzt. Das Ensemble aus Wohnhaus und Stall fügt sich unaufdringlich in die Landschaft ein. Innen ist das Haus lichtdurchflutet und bis ins Detail durchdacht. An den Wänden hängen Gemälde zeitgenössischer Künstler, jedes Objekt zeugt vom ästhetischen Sinn seiner Besitzer. Neben der Feuerstelle in der Wohnküche haben die Hunde ihre Schlafplätze. «Ich liebe Tiere», sagt Doppler, dessen Frau Daniela als Tierärztin arbeitet. Um Pferde halten zu können, sind die beiden nach Dopplers Pensionierung aufs Land gezogen.

Doppler stammt aus einer Familie von Architekten: Sein Grossvater kam Ende des 19. Jahrhunderts aus Frankreich nach Basel, wo er ein eigenes Architekturbüro gründete. Auch sein Vater und sein Onkel arbeiteten dort. Dopplers Schulzeit in der Grenzstadt war vom Krieg geprägt: «Mir ist der Hunger in Erinnerung geblieben. Aber auch der Zusammenhalt in der Familie.»

Seine Studienzeit an der ETH – damals noch das Polytechnikum – in Zürich hat Doppler im Gegensatz dazu als eine Zeit des Aufatmens erlebt. In den 1950er-Jahren war der Studiengang Architektur noch im ETH-Hauptgebäude an der Rämistrasse untergebracht. «Als ich die Halle das erste Mal betrat, war ich tief beeindruckt», erinnert sich Doppler. Ihm gefiel die Atmosphäre der Hochschule. «Das schönste war die Kameradschaft untereinander», sagt Doppler. «Aber auch das Verhältnis zwischen Lehrkörper und Studentenschaft war sehr gut.»

Das volle Leben

Gemeinsam mit einem Freund zog er in ein renovierungsbedürftiges Haus im Niederdorf, in dem sie eine Wohnung über zwei Etagen mit Dachterrasse mieten konnten – für vierzig Franken im Monat. Ihre Behausung wurde zum gesellschaftlichen Magnet: Kommilitonen wie auch Professoren gingen ein und aus, ein Professor kam gar jeden Sonntagabend auf einen Aperitif vorbei, man diskutierte und feierte.

Mit dem Studium selbst war der angehende Architekt jedoch nicht zufrieden: «Ich habe am Poly viel gelernt – aber nicht unbedingt über Architektur.» Ein Grund dafür: Damals gab es in der Architektur nur drei Lehrstühle. Deshalb setzte sich Doppler als Studentenvertreter mit einem Brief an den Schulratspräsidenten dafür ein, dass mehr Professoren eingestellt und der Unterrichtsstoff erweitert wurde – was dann auch tatsächlich geschah. 1957 schloss er sein Studium ab.

Er begann im Architekturbüro seines Vaters in Basel zu arbeiten, doch das führte schon bald zu Spannungen: «Unsere Vorstellungen von Architektur waren völlig verschieden – und überhaupt, das wäre zu einfach gewesen!» Deshalb zögerte Guido Doppler nicht lange, als ihm ein Studienkollege vorschlug, nach Paris zu gehen. Dort fand er eine Stelle beim Architekten André Gomis. «Hier habe ich zum ersten Mal erfahren, was es bedeutet, anspruchsvolle Projekte von A bis Z mit voller Kraft durchzuziehen.» Einer seiner Entwürfe gewann einen Architekturwettbewerb für den Bau eines Quartiers mit 2500 Wohnungen in Gonesse, einer Gemeinde nördlich von Paris.

Wichtiger Karriereschritt

Nach vier Jahren schlug ihm sein Chef vor, für ein Projekt ins Überseedepartement Guadeloupe umzuziehen. Doch Dopplers damalige Frau, die er während des Paris-Aufenthalts geheiratet hatte, war dagegen. So kehrten sie zurück in die Schweiz, wo Doppler eine Stelle bei einem Architekturbüro in Basel annahm. «Der Kontrast zu Paris hätte nicht grösser sein können», sagt er. Während er bei seiner vorherigen Stelle grosse Freiheit genossen hatte, fühlte er sich anfangs am neuen Ort von den strikten Regeln und fixen Arbeitszeiten erdrückt. «Ich war sehr unglücklich.» Doch dann konnte er mehrere Grossprojekte für die Chemiefirma Sandoz ausführen, was weitreichende Folgen haben sollte: 1969 wurde Doppler aufgrund seiner Arbeit für Sandoz angefragt, ob er Partner bei Burkhardt & Partner in Basel – heute eines der grössten Architekturbüros in der Schweiz – werden wolle. Doppler sagte zu und Martin Burkhardt, einer der Firmengründer, wurde zu einem engen Freund, auch wenn es bei der Arbeit gelegentlich Differenzen gab: «Er konnte manchmal ziemlich poltern – aber ich auch», lacht Doppler. Er kümmerte sich hauptsächlich um die Führung der Firma und wirkte an der Planung von Grossprojekten mit. Die Firma baute vor allem für die chemische Industrie sowie für Banken, etwa die Hauptsitze von Sandoz in Brasilien und Frankreich oder ein Rechenzentrum für die UBS in Bussigny bei Lausanne.

Neuanfang in Zürich

Die starke Konzentration auf den Chemiesektor stellte sich als Nachteil heraus: Anfang der 1970er-Jahre brach das Geschäft infolge der Ölkrise ein. Die Firma musste Mitarbeitende entlassen und Geld von Banken leihen. «Das war eine schlimme Zeit», sagt Doppler. «Ich habe mich dafür verantwortlich gefühlt und alles darangesetzt, dass die Firma wieder auf die Füsse kommt und Ähnliches künftig verhindert wird.» Die Partner entschieden, das Geschäft breiter aufzustellen und Kunden auch aus anderen Branchen zu gewinnen. Doppler übernahm die Aufgabe, eine Zweigstelle in Zürich aufzubauen, was ihm dank seiner Hartnäckigkeit auch gelang: Schnell konnte er ein Grossprojekt für den Campus Irchel der Universität Zürich an Land ziehen, weitere Aufträge folgten.

In Zürich lernt Doppler – damals ist er bereits von seiner ersten Frau getrennt – Daniela kennen, die im Nachbarhaus wohnt und 1983 zu ihm zieht. Die beiden sind vielbeschäftigt und üben unterschiedliche Hobbys aus: Er liebt die Fliegerei – «ein unbeschreibliches Freiheitsgefühl!» –, während sie vom Reiten begeistert ist. Sie beschliessen, jeder das Hobby des anderen zu lernen. «So habe ich mit 55 Jahren noch reiten gelernt», sagt Doppler. Über Jahre nimmt er Unterricht bei einem Pferdetrainer, der einen partnerschaftlichen Umgang mit den Tieren vermittelt. Doppler faszinieren besonders die «schwierigen» Pferde, die gerne bocken oder ihn gar abwerfen wollen, schliesslich aber kooperieren. «Es geht mir darum, eine Beziehung zum Tier zu entwickeln.»

Vielfach engagiert

Mit 58 Jahren tritt Doppler aus der Firma Burkhardt & Partner aus und lässt sich frühpensionieren. Doch ruhig bleiben kann er nicht lange: Ehrenamtlich arbeitet er in verschiedenen Projekten mit, in denen er seine Liebe zu Tieren und zur Architektur verbinden kann. Unter anderem war er als Präsident der Baukommission des Zoos Zürich an Planung und Bau der 2003 eröffneten Masoala-Halle beteiligt. Für ein Naturschutzgebiet für wieder anzusiedelnde Wildpferde in der Mongolei entwarf er ein Nationalparkgebäude. Seit einigen Jahren engagiert sich Doppler auch wieder für seine frühere Hochschule: Über die ETH Foundation unterstützt er das Exzellenz-Stipendienprogramm, welches herausragenden Studierenden aus dem In- und Ausland ein Masterstudium an der ETH ermöglicht. «Mir gefällt, dass die ETH auf Qualität setzt und die besten Studierenden aus der ganzen Welt anziehen will», sagt Doppler. Er besucht regelmässig Veranstaltungen und Vorträge an der ETH. Auch wenn er dann gerne kritische Fragen stellt, ist sein Wohlwollen dennoch gross: «Ich bin immer noch verliebt in diese Schule!»

 

Dieses Portrait erschien im Globe-Magazin der ETH Zürich vom März 2020. 

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