Mit Erbsen die Welt retten

Mit Poulet aus Erbsenprotein einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Welt leisten: Lukas Böni und seine Mitgründer der Firma «Planted» verbinden Genuss und moderne Lebensmitteltechnologie.

«Rette die Welt. Mit jedem Biss.» – Ein Blick auf die Website des ETH-Spin-off Planted zeigt, dass sich Lukas Böni und seine Mitstreiter kein bescheidenes Ziel gesetzt haben. «Nach dem Doktorat an der ETH wollte ich unbedingt etwas auf die Beine stellen, das einen positiven Impact auf die Welt hat», erzählt Böni. Für den Lebensmittelwissenschaftler war klar, dass er im Bereich Lebensmittel die grösste Wirkung erzielen kann. Mit Planted bietet Böni nun pflanzliches Poulet an, hergestellt aus Erbsenprotein.

Erfolg dank Anschubfinanzierung

Auf die Idee für Planted brachte ihn sein Cousin Pascal Bieri. 2017 arbeitete der HSG-Absolvent in den USA, wo der Fleischersatzmarkt bereits grösser war. Er und Böni erkannten das Potenzial. Sie formulierten eine Idee für die Herstellung von pflanzenbasiertem Fleisch und stellten sie dem ETH-Professor Erich Windhab vor. Böni hatte bei ihm im Labor für Lebensmittelverfahrenstechnik zu den «faszinierenden Absonderungen des Schleimaals» doktoriert und kannte sich daher mit faserigem, weichem und proteinhaltigem Material, wie Fleisch eines ist, aus. Windhab unterstützte das Vorhaben und empfahl seinen Doktoranden Eric Stirnemann. Bald darauf komplettierte Christoph Jenny das Gründerteam von Planted.

Böni erhielt zudem eine wichtige Starthilfe für den Aufbau des Spin-off: Dank einem von der ETH sowie privaten Donatorinnen und Donatoren finanzierten Pioneer Fellowship standen ihm und seinem Team CHF 150’000 sowie Zugang zu Labors, Geräten und Fachwissen der ETH Zürich zur Verfügung. «Dies war eine wichtige Voraussetzung, um den grossen Schritt von der Idee zum Produkt zu wagen.» Böni ist überzeugt, dass Planted ohne das Pioneer Fellowship den Markteintritt nicht so rasch geschafft hätte.

Marktwachstum durch Umdenken

Die Relevanz von Planted zeigt ein Blick auf aktuelle Zahlen: Rund 18 Prozent der globalen Treibhausgase werden durch die Fleischproduktion verursacht, weitere Auswirkungen sind Überdüngung und Antibiotikaresistenzen. Nicht so bei Planted. «Das Produkt ist ressourcenschonend und besteht aus vier Zutaten: Erbsenprotein, Erbsenfasern, Sonnenblumenöl und Wasser», führt Böni aus. Die Herstellung gleicht derjenigen von Pasta. Die Proteine, Fasern und das Öl werden zu einem Teig geknetet und unter Druck durch einen Extruder gedrückt. So entsteht die poulet-artige Konsistenz. So nah wie möglich am Original zu sein, ist für den Erfolg unabdingbar. «Unsere Zielgruppe sind Flexitarier: Leute, die Fleisch mögen, aber nach nachhaltigen und tierfreundlichen Alternativen suchen», erklärt der 30-jährige Unternehmer.

Lukas Böni ist überzeugt, dass im Bereich Ernährung zurzeit ein ökologisches Umdenken stattfindet. Die Marktprognosen geben ihm recht. Laut dem Industry Report von Barclays könnte das Geschäft mit Pflanzenfleisch bis 2029 auf 140 Milliarden Dollar wachsen und zehn Prozent des globalen Fleischmarkts ausmachen. Doch wie will sich ein kleines ETH-Spin-off da abheben? «Dank unserer Nähe zur ETH verbessern wir das pflanzliche Fleisch mit fortschreitender technologischer Entwicklung stetig weiter», erklärt Böni.

Weg von der ETH, aber nicht zu weit

Die Strategie scheint aufzugehen. Ende Oktober 2019 schloss Planted die erste Finanzierungsrunde erfolgreich ab und erhielt 7 Millionen Franken. 28 Schweizer Restaurants servieren das Erbsenpoulet bereits und im neu eingerichteten Onlineshop treffen täglich Bestellungen ein. Ziel des inzwischen achtköpfigen Teams ist, Anfang 2020 in den Detailhandel einzusteigen. Um die nötigen Mengen produzieren zu können, braucht Planted mehr Platz. Momentan evaluiert das Unternehmen passende Standorte, die mit dem ÖV einfach und schnell von Zürich aus erreicht werden können. «Wir suchen auch in Zukunft die Nähe zur ETH und zum attraktiven Lebensstandort Zürich», sagt Böni. Die Chancen für einen baldigen Umzug stehen gut.

Planted entwächst langsam den Kinderschuhen. Der Antrieb dahinter ist so gross wie zu Beginn. Oder grösser. Seit Lukas Böni im letzten Jahr Vater wurde, nimmt er seine Mission noch ernster: «Ich will nicht nur für mich etwas Sinnvolles schaffen, sondern auch für meine Tochter und ihre Generation», erklärt er ohne Zögern. Nichts weniger als die Welt retten, Biss für Biss.

 

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