Mit smartem Rollstuhl erfolgreich unterwegs

Wer einen der Scewo-Gründer treffen will, muss ebenso wendig wie der Rollstuhl des ETH-Spin-offs sein: Das junge Team arbeitet mit Hochdruck an der Markteinführung.

«Es wird eng, wir sind die ganze Woche an einer Messe. Am Freitag bieten wir Testfahrten im Landesmuseum an. Und nächste Woche sind wir drei Tage in Hannover beim TÜV. Danach sind wir zwar wieder in Winterthur, aber unsere beiden Rollstühle werden kaputt sein.» Mit ein bisschen Hartnäckigkeit hat es dann doch geklappt mit dem Termin bei Jungunternehmer Pascal Buholzer.

Angefangen hat die Scewo-Story 2014 mit einem gemeinsamen Projekt der ETH Zürich und der Zürcher Hochschule der Künste. Im Lauf des Projekts kamen die Maschinenbaustudenten Pascal Buholzer und Bernhard Winter sowie der Industrial Designer Thomas Gemperle auf die Idee, einen Rollstuhl zu entwickeln, der mit zwei statt vier Rädern besonders flexibel ist und der im «Raupenmodus» sogar Treppen überwindet. Bereits der erste Prototyp sorgte für Aufsehen. Der zweite Prototyp ging am Cybathlon an den Start, einem Wettkampf der ETH, bei dem Menschen mit Behinderungen mithilfe technischer Assistenzsysteme gegeneinander antreten. Nach Studienabschluss gründeten die drei findigen Köpfe ihr Start-up Scewo, das mittlerweile ein neunköpfiges Team auf Trab hält.

Turbozündung auf dem Weg zum Markt

Wie bahnbrechend der «Scewo Bro» genannte Rollstuhl ist, kriegt man spätestens dann mit, wenn man Pascal Buholzer bei einer kleinen Ausfahrt begleitet. Mehrmals fragen Passanten: „Darf ich ein Foto machen?“ Oder sie halten auf Video fest, wie der Rollstuhl Treppen steigt. «Als wir 2015 unser allererstes Video auf YouTube gepostet hatten, erreichte es innert kürzester Zeit eine Million Views», erinnert sich Buholzer. Auch deshalb sei ihnen schnell klar gewesen, dass ein enormes Bedürfnis nach einem neuartigen Elektrorollstuhl vorhanden sei.

Eine entscheidende Starthilfe auf dem Weg ins Unternehmertum war ein Pioneer Fellowship der ETH Zürich: «Nicht nur auf die 150‘000 Franken Anschubfinanzierung waren wir angewiesen. Auch das Netzwerk und das Coaching durch erfahrene Leute, mit denen wir im Vertrauen sprechen konnten, waren von essentieller Bedeutung für uns. Ausserdem wirkt das Pioneer Fellowship gegenüber Investoren wie ein Gütesiegel.»

Schnell Feedback einholen

Was sind die nächsten Milestones für Scewo? Wichtig seien nun die Vortests beim TÜV, erzählt Buholzer. Beim sogenannten Droptest werde der Rollstuhl beispielsweise 4400 Mal aus 5 Zentimetern Höhe auf den Boden fallen gelassen. «Wir wissen, dass die Rollstühle auseinanderfallen werden. Was uns interessiert, ist, wo sie auseinanderfallen.» Wichtig seien zudem die Testfahrten mit Kaufinteressierten. «Bis Ende Jahr peilen wir möglichst viele Vorbestellungen an.» Bei 50 verkauften Rollstühlen im ersten Jahr setzt das Jungunternehmen die Grenze an: «Wir wollen unsere Kunden eng betreuen können. Sie sind darauf angewiesen, dass ihr Rollstuhl funktioniert.» Das ist auch der Grund, weshalb Scewo in einer ersten Phase nicht ins Ausland liefert, trotz Dutzenden Anfragen.

Dringlichkeit ist gross

Ende 2019 wollen Buholzer und sein Team die ersten Rollstühle ausliefern, produziert werden sollen sie in der Schweiz. Zielgruppe seien Elektrorollstuhlfahrer, die mental fit und körperlich in der Lage sind, den Joystick zu bedienen. Laut Buholzer sind es im Alltag weniger die grossen Treppen, die für sie den Ausschlag geben werden, auf Scewo umzusatteln. Wo eine grosse Treppe sei, sei oft auch ein Lift. Probleme bereiten eher hohe Randsteine oder zu grosse Höhenunterschiede zwischen Perron und Zugeingang. Mit dem Bro, der bis zu 25 Zentimeter schafft, sind sie kein Problem.

Buholzers Team ist rasant unterwegs. Doch denjenigen, die sehnsüchtig auf ihr Produkt warten, nicht schnell genug, wie ein User-Kommentar auf Facebook zeigt: «These need to be made available everywhere!!!» Auch um diesen Wunsch so schnell wie möglich zu erfüllen, ist Scewo auf der Suche nach neuen Investoren.

 

 


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