Mit langem Atem zum Erfolg

Von einer unkonventionellen Idee zum Unternehmen mit hundert Mitarbeitenden – Jan Wurzbacher und Christoph Gebald haben es geschafft: Sie führen mit Climeworks ein international erfolgreiches ETH-Spin-off. Der Weg dorthin war nicht immer einfach.

Die Anlagen von Climeworks filtern CO2 aus der Atmosphäre und speichern es im Boden; die Technologie, die das ermöglicht, könnte gemäss Experten eine zentrale Rolle bei der Bekämpfung des Klimawandels spielen. Climeworks ist ein wichtiger Player im stark wachsenden globalen Markt rund um das «Direct Air Capture» genannte Verfahren. Aktuell steht das Unternehmen vor der Fertigstellung ihrer bisher grössten Anlage in Island, die im Auftrag von Unternehmen und Privatpersonen jährlich mehr als 4000 Tonnen CO2 aus der Atmosphäre entfernen und im Gestein speichern wird. Betrieben wird sie mit erneuerbarem Strom. Einer der Kunden ist Microsoft. Das Unternehmen investiert zudem über seinen Climate Innovation Fund in den Bau der Anlage.

Der steinige Weg zum Spin-off

Der Leitspruch des in Zürich angesiedelten Unternehmens lautet: «Let’s reverse climate change.» Die Investoren sehen das grosse Potenzial. So schloss Climeworks 2020 eine Finanzierungsrunde mit 100 Millionen Franken ab. Man könnte vermuten, dass es für Jan Wurzbacher und Christoph Gebald relativ einfach war, mit ihrer Idee durchzustarten. Die Realität sieht jedoch anders aus. «Als wir 2009 an der ETH unser Spin-off gründeten, stiess unsere Idee auf wenig Interesse», erinnert sich Wurzbacher. «An der ETH gab es damals noch keine Förderprogramme für Jungunternehmer und wir waren weit entfernt von einem Produkt, das wir hätten vermarkten können.»

«Frühe Förderung von unternehmerischem Denken und Handeln ist im internationalen Wettbewerb ein grosser Vorteil.»

Jan Wurzbacher

 

Er und Gebald erhielten während des Doktorats an der ETH jedoch viel Unterstützung von ihrem Professor Aldo Steinfeld. So konnten sie die Infrastruktur der ETH für die Entwicklung der Climeworks-Technologie nutzen. Dies war in der Anfangsphase entscheidend, denn für technikbasierte Innovationen ist der Zugang zu hochspezialisierter Infrastruktur eine Voraussetzung, um überhaupt Prototypen entwickeln zu können. Die Entwicklungen der letzten zehn Jahre an der ETH im Bereich Entrepreneurship sieht Wurzbacher positiv: «Start-up-Kapital, Mentoring und Zugang zu Labs, wie es das Pioneer-Fellowship-Programm bietet, hätten uns damals den Start sehr erleichtert», ist er sich sicher. Auch die Vorteile eines Hubs wie des geplanten «ETH Centre for Students and Entrepreneurs» liegen für ihn auf der Hand. «Ich musste mir viel Know-how mühsam selbst aneignen. Die Förderung von unternehmerischem Denken und Handeln bereits bei Studierenden ist auch im internationalen Wettbewerb ein grosses Plus.»

Unbeirrbar und hartnäckig

Den ersten Kunden akquirierten Wurzbacher und Gebald 2014, grossen Schub von politischer Seite erhielten sie durch das Pariser Klimaabkommen von 2015, das erstmals alle Staaten zur Reduktion von Treibhausgasemissionen verpflichtete. Das Interesse an ihrer Technologie wuchs schlagartig. Auch in der breiten Bevölkerung ist die Dringlichkeit von Lösungen für den Klimawandel angekommen. Dieses Kundensegment ist Wurzbacher und Gebald wichtig; sie glauben daran, dass es jede einzelne Person braucht, um etwas zu bewegen. Durch ein Monatsabo bietet das Unternehmen Privatpersonen die Möglichkeit, zur Reduktion von CO2 beizutragen. Mitmachen kann man ab acht Franken monatlich. Das Angebot wird rege genutzt: Bereits über 4500 Personen aus 54 Ländern haben sich angemeldet.

Der grosse Zuspruch motiviert die beiden Unternehmer und ihr Team. Nach der Inbetriebnahme der Anlage in Island Mitte 2021 wollen sie weiter skalieren. Zweifel an ihrer Vision hatten sie nie, auch in der harzigen Anfangszeit nicht, als fast niemand diese teilte. «Wir haben einfach immer weitergemacht und unser Ziel stets im Auge behalten», erklärt Wurzbacher. Es sei sicher hilfreich, dass sie zu zweit seien und sich gegenseitig motivieren könnten. Ein Geheimrezept für ein erfolgreiches Start-up gibt es seiner Meinung nach nicht. Neben einer guten Idee und der richtigen Unterstützung helfe vor allem Hartnäckigkeit. «Es gibt immer einen Grund, aufzugeben. Hör nicht darauf und mach einfach weiter!» 

 

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