Grosse Talente, grosse Ideen

Nachhaltiger bauen – Pioneer Fellow Gnanli Landrou macht es möglich

Researcher im Labor

11.02.2019 – Eine Idee und wissenschaftliches Talent – viel mehr hatte Gnanli Landrou nicht im Gepäck, als er mit 16 Jahren aus Togo nach Frankreich zu Bekannten reiste. Dank seiner Gastfamilie konnte Landrou die Schule besuchen und mit Hilfe eines Lehrers schnell den verpassten Grundschulstoff nachholen. Auch auf seinem weiteren Weg durch das französische Bildungssystem wurde Landrou immer wieder von verschiedenen Personen unterstützt, die sein Talent erkannten und ihm so die Möglichkeit gaben, Materialwissenschaften zu studieren. Mit Hilfe des Pioneer Fellowship Program entwickelt er heute mit seinem ETH-Spin-off Oxara einen zementfreien Beton aus lehmhaltigem Aushubmaterial.

Im Studium fokussierte sich Gnanli Landrou auf die grossen Herausforderungen der globalen Bauindustrie: schwindende Rohstoffe wie Sand und Kies, hohe Betonkosten und die energie- und CO2-intensive Zementproduktion. Aus eigener Erfahrung wusste er jedoch auch, wie arbeitsintensiv und zeitaufwändig der traditionelle Lehmbau mit Ziegeln ist, und wie sehr es in seiner Heimat an angemessenen Unterkünften mangelt. «Wer hierzulande ein Haus baut, hebt zuerst eine Grube aus und entsorgt den Aushub auf einer Deponie. Dann schleppt man tonnenweise Sand, Kies und Zement heran, um mit Beton das Fundament und die Wände zu giessen», erklärt Landrou. Dabei ist Lehm ein ideales Baumaterial, das meist reichlich zur Verfügung steht und seit mehr als 10’000 Jahren weltweit im Baugewerbe zum Einsatz kommt. Warum also nicht die Techniken des traditionellen Baus mit Lehm und des Baus mit Beton kombinieren und das Beste herausholen?

An die ETH Zürich kam Gnanli Landrou Anfang 2014, um am Lehrstuhl für nachhaltiges Bauen zu promovieren. «Meine Vision ist, den Menschen in Afrika und anderen Regionen der Welt Zugang zu günstigen und würdigen Unterkünften zu verschaffen», erklärt Landrou. Zusammen mit ETH-Professor Guillaume Habert, dessen Professur im Bereich Nachhaltiges Bauen seit 2010 von LafargeHolcim gefördert wird, entwickelte Landrou ein Verfahren, um lehmhaltiges Aushubmaterial ohne Zugabe von Zement in einen alternativen Beton zu verwandeln.

«Unsere Technologie verleiht dem Lehmbau fast alle Vorteile von Beton, ist aber rund 2,5-mal billiger und 20-mal umweltfreundlicher», sagt Landrou. Um das Marktpotenzial für nichttragende Gebäude-Elemente zu nutzen, hat Landrou die Technologie nach dem Doktorat zum Patent angemeldet und baut seit Herbst 2018 das ETH Spin-off Oxara auf. Unterstützung erhält er über das Pioneer Fellowship Program der ETH Zürich. Mit einem Startkapital von CHF 150’000, Coaching und der Möglichkeit, die Büro- und Laborräume der ETH Zürich zu nutzen, ist Gnanli Landrou nun auf dem besten Weg, seine Vision zu verwirklichen.

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